[Was schön war] #kw36.

In dieser Kalenderwoche hatte ich wenig Zeit darüber nachzudenken, ob etwas schön, mittelschön oder hässlich war. Der Chef wollte Zuarbeit von mehreren Kollegen haben und bekam sie einzig von mir. Raten Sie, wer dann die halbe Woche damit beschäftigt war, den eigentlich für die Zuarbeit Verantwortlichen hinterher zu rennen. Damit wenig Zeit für andere Gedanken. Ich hoffe, er bekommt bald seine/n persönliche/n Referentin/en.

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Meine Arbeit trägt erste Früchte. Man kennt mich nun im Städtchen. Die Menschen kommen auf meine Kolleginnen und mich zu und schenken uns ihr Vertrauen. Das Team – mein Team – ist ein gutes.

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Mit Freunden in einer Wein- und Tapasbar gesessen und den Sommerabend genossen. Mich mit Frau Casino zum Kino verabredet: Nick Cave-Doku, ich bin sehr gespannt, wie ein Künstler außerhalb der persönlichen Erfahrung mit Trauer und Tod umgeht. Wieder viele wundervolle kleine Nachrichten von Menschen erhalten, die sich um mich sorgen und kümmern. Längst vergessene Worte wie „Remmidemmi“ und „Kokolores“ gelesen. An dieser Stelle möchte ich auf die Seite „Bedrohte Wörter“ aufmerksam machen. Dort kann man solche melden, damit sie nicht ganz verschwinden. Kennen Sie eigentlich noch diese Wörter? Dann sind Sie offiziell alt, tut mir leid.

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Erste Reisepläne für Februar geschmiedet. Ich wollte immer schon mal nach Kambodscha, mir natürlich Angkor Wat ansehen, den Tonle See und ganz allgemein wieder einmal in die Welt Südostasiens eintauchen, die mir fremd und zugleich vertraut ist. Die beste Freundin überlegt nun mitzureisen, aber ich bin noch nicht sicher, ob wir uns über die gemeinsamen Kurzurlaube der letzten Jahre hinaus in europäische Städte und an die Ostsee mit solch einer Destination gut tun würden. Sie hat zwei Kinder und seitdem haben sich unsere Reiseformen, -ziele und -ansprüche doch ein wenig voneinander entfernt. Wir sprechen demnächst darüber. Die Vorfreude auf diese Reise und die anderen, folgenden verschönt mir so manche Stunde.

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Auf dem Balkon gesessen und dem Nachbarn gelauscht. Sein weiches Italienisch hört sich wunderbar an. Meine Sprachkenntnis aus einem Jahr Schulunterricht ist nicht mehr gut genug, um mehr als Bruchstücke zu verstehen, und ich frage mich, wo in Italien man so weich spricht, so elegant und ohne stakkatohafte Betonung. Diese Satzmelodien liebe ich! Überhaupt ist es ein Privileg, in einer Stadt zu wohnen, die Platz für so viele Nationen hat. Im Erdgeschoss wohnt ebenfalls eine italienische Familie mit zwei Söhnen: Gioacchino und Giacomo. Gioacchino sitzt gern mal auf dem Sattel meiner vor dem Jungszimmer parkenden Vespa und „passt ein bisschen auf, dass ihr nichts passiert“. Am Samstag nun war Einschulung von Giacomo und alle Großeltern kamen aus Italien angereist. Als ich die Vespa gerade fit machte, um endlich den noch fehlenden Chromgepäckträger abzuholen, sprachen mich die Großeltern an. Wir radebrechten ein wenig über die Vespa, ich gratulierte zur Einschulung, und ich habe mich über die herzliche Umarmung der einen Nonna sehr gefreut. Und auch über das „Una bella macchina per una donna bella“ des einen Nonno, einem charmanten, alten Spitzbuben wie er im Buche steht.

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Ich wurde beflirtet. Völlig unvermittelt und für mich arg irritierend. Nicht, weil ich noch unter dem Eindruck der Vergangenheit stünde, das nicht. Sondern weil es ein sehr junger Mann war, der mir seine Avancen machte. Ich bin nicht darauf eingegangen, er interessiert mich nicht. Ich möchte keinen Toy Boy. Außerdem ist meine Art des Flirtens eher verhalten und direkte Zuwendung in klaren Worten erschreckt mich. Ich mag den intellektuellen Schlagabtausch, einen hintergründigen Humor und das unvermittelte Entdecken von Gemeinsamkeiten und Reibungspunkten, das fortwährende „was wäre, wenn“.

Mir lief im Netz letztens ein Schnipsel via Frau Kopffüssler über den Weg, der diesen von mir bevorzugten Flirtzustand treffend beschreibt: Mamihlapinatapei.

begehren

Dennoch war es schön zu entdecken, dass es da draußen offenbar Männer gibt, die sich mir gewachsen fühlen und die sich für mich interessieren. Das verlernt man in 10 Jahren Beziehung ein bisschen. Und man wird ja nicht jünger!*

 

*likörchentrinkend, murmelnd ab

7 Gedanken zu „[Was schön war] #kw36.

  1. Der Begriff steht sogar in der Wikipedia:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mamihlapinatapai

    War mir auch neu, danke dafür. Wobei es wohl der Zeitschriftenartikel im entscheidenden Punkt verhaut:

    > bei dem beide wissen, dass der andere etwas begehrt

    Ich glaube, der springende Punkt ist: Sie wissen es nicht (im Sinne von sicher sein), sie vermuten, ja hoffen es. Oder ist das wieder ein anderer Zustand?

  2. Oh, das habe ich nicht gegengecheckt, danke dafür! Eigentlich wird so daraus fast die Umkehrung des Zustandes, denn er wird ja mit einer mangelnden Bereitschaft zur Änderung der Situation untersetzt. Nun bin ich ratlos, denn an mangelnder Bereitschaft beim Flirten zur Initiierung weiterer Aktivitäten soll es doch gerade nicht scheitern? Es geht mir ja eher um den Moment an sich: wenn man sich ansieht und weiß, da ist etwas zwischen zwei Menschen, das man in diesem Moment noch nicht antasten mag, aber das sich jederzeit flammend entzünden könnte. Hm. Ich muss darüber nachdenken. Das ist ein weites Feld.

  3. Ich fahre im Januar nach Laos und Kambodscha. Allein. Falls dein Timing sich noch ändern, bestehe ich auf einem Kaffee in Siem Reap. #ichsachjanur

    • Ach, das wäre zu schön: wir beide in Siem Reap auf einen handgefilterten Kaffee, dazu süße Kondensmilch wie in Vietnam und ein schöner Plausch! Leider wird es bei mir erst im Februar was mit der Reise. Ich nehme aber sehr gern deine Reisetipps in Anspruch! Sei geherzt!

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