Die Luft steht zwischen den Häuserschluchten, einzig der Weg am Friedhof entlang ist kühler. Die Toten ziehen die stille Kühle vor, unter ihren schattenspendenden Bäumen weht ein leiser Hauch und flüstert mir ins Ohr: „Sei dir nicht zu sicher.“
Immer, wenn der Tod zu mir spricht, werde ich still. Man sollte auf ihn hören, ihm gut zuhören. Denn er ist derjenige, der die Wahrheit kennt. Das Leben lügt, der Tod ist ehrlich.
Langsam gehen die Menschen in der Sommerglut, immer gemächlicher, immer mediterraner wird das Leben in der Großstadt. Man gefällt sich in der neuen Lässigkeit. Nach Wochen und Wochen immerblauen Himmels wäre ein Jammern über die Hitze auch langsam lächerlich.
Ich lege einen kleinen Strauß Rosen auf das Grab. Sie werden binnen einer Stunde verwelken. Vor zwei Jahren fast. Damals, als die Mauersegler ein letztes Mal am Fenster vorbeiflogen, in der Ferne ein Falke rief und das stetige Geräusch der Sauerstoffversorgung eine konstante Note im Abschiedskonzert war. Den letzten Ton hat der Tod gesungen. Ich habe ihm gut zugehört und weiß, wann er wieder singen wird.
Morgen geht es aus der Hitze in die Kälte zurück. Dort, wo das Leben ist. Dort, wo das Leben lügt, wo die Illusionen wohnen. Tod, hörst du mich? Bleib, wo du bist. Dein Konzert steht noch nicht auf dem Programm.
„No hay más verdad que la muerte“ heißt es in einem schon älteren Flamencotext.
Zwei Jahre schon, ach.
Das bunte Leben, genieße es, ein Augenblicksblinken, im Vorübergehn.