Schreibkurs: Leerstelle.

Seit ein paar Wochen gehe ich in einen Schreibkurs. Schreibmaschine kann ich schon, ziemlich schnell sogar, habe ich mit 18 in der Volkshochschule gelernt. Das mit dem Schreiben dagegen konnte ich noch nie so richtig. Jetzt ohne Scheiß: ich habe drei Jahre lang als Journalistendarstellerin gearbeitet und es ist niemandem aufgefallen, dass da Madame la Dilettante höchstpersönlich sitzt und sich fast in die Hose macht, weil sie nicht mal die Grundbegriffe der berichterstattenden Textformen beherrscht. Hurenkind, Schusterjunge – musste ich alles erst mal nachschlagen. Gut, ich könnte natürlich einwenden, dass es auch nicht jedermanns oder jederfraus Sache ist, sich mit Exceltabellen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen herum zu schlagen. Aber das will ja schließlich kaum einer, manche hacken gern mal auf den bösen BWLern herum und stöhnen über mangelnde Ethik und Ehre in der Wirtschaft. Drauf geschissen. Damit verdiene halt ich meine Brötchen.

Schreiben dagegen, das scheint doch das große Ganze zu bedeuten. Schreiben, die ganze Welt der Fantasie walten lassen, Kopfkino in Buchstabenform schaffen, kreativ austoben. Und damit geht es zurück zum Schreibkurs. Auf den musste ich mich erst einmal einlassen. Knapp zehn Frauen unterschiedlicher Profession und Schreiberfahrung, viele, die sich gleich im ersten Atemzug als Mutter vorstellen, die sich wieder mit dem Schreiben befassen möchte. Klischeeschere, schnippschnapp, auch ich bin nicht davor gefeit, aber insgeheim weiß ich, dass ich das eben nie verstehen werde, dieses Vorstellen als Mutter. Vielleicht gehört das für Frauen dazu, dass man sich so seine Peergroup klar macht. Für mich halt nicht, ganz ohne Neid, ich verstehe es nur nicht und habe das selten bei Männern erlebt. Egal.

Ich mäandere um den Schreibkurs herum. Also, einlassen. Mit Worten, Texten, Aufgabenstellungen umgehen (lernen), sich Kritik stellen. Das ist ziemlich herausfordernd, zumal mir dieses Selbstverständnis fehlt, das eine Mutter zur Mutter und eine Schreibende zur Schreibenden macht. Ich bin nicht germanistisch vorgebildet und ich habe auch keine Zeit und Energie – von Lust ganz zu schweigen -, abends noch Bücher über das Schreibenlernen zu lesen. Da bin ich so trotzig und rotzig, wie eine Kursteilnehmerin in ihrem Text ihre Kritik zur Aufgabenstellung runtergemotzt hat. Nein, ich möchte nur ein bisschen besser Schreibenlernen. Das Fernziel vielleicht erreichen, nur, damit ich zufrieden sein kann und keine Dilettantin mehr. Ich stelle mich der Kritik und der Herausforderung. Und den Frauen im Kurs, die jede ihre Geschichte hat. Oder Geschichten. Das wird sich zeigen. Bleiben sie dabei, wenn es heißt: Frau Wortschnittchen lernt schreiben.

(Mein Fragment, die Drachenhaut einer toten Frau, war in zwei Minuten runtergeklöppelte Fragment-Schmiererei, das Abarbeiten einer ersten Hausaufgabe. Ich war erstaunt, wie viel Interpretation eine Obduktionsszene so hergibt. Vielleicht sollte ich mir doch ein bisschen mehr Mühe geben. Schreiben ist schließlich Arbeit.)

 

3 Gedanken zu „Schreibkurs: Leerstelle.

    • Vielen Dank, aber ich glaube, die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen ist schon ein erster Schritt. Und da käme mir noch der Gedanke, warum es fast ausschließlich Frauen sind, die sich in derlei Kurse begeben.

      • Das wäre tatsächlich mal interessant, dem nachzugehen. Ansonsten ist es halt auch die Frage, was da an Schreiberei gelehrt wird und wo eins selber damit hinwill. Obwohl ich ja nun seit fast 30 Jahren beruflich Texte verfasse von journalistischen Artikeln über Ghostwriting-Aufträge bis hin zu Fachbuch-Kapiteln, würde ich auch zögern, mich hinzustellen und zu behaupten, dass ich schreiben könne.

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