Alltagsmarginalien (5).

Es ist heute vermutlich kaum zu glauben, aber damals (TM) im Hessen der 80er Jahre konnte man tatsächlich mit einem Kunstleistungskurs Abitur machen. Was ich auch tat. Es gab zwar noch weitere, anspruchsvollere Fächer, aber nun ja. Kunst konnte ich eben. Zumindest zeichnen. Mode- oder Produktdesign schien mir durchaus erstrebenswert als Studienwahl, man könnte ja auch Kunstgeschichte oder irgendwas mit Werbung. So dachte ich damals. Herausgekommen ist dann im weitesten Sinne irgendwas mit Werbung, und jetzt bin ich halt Museums- oder Zirkusdirektorin (nennen Sie mich ruhig Head of Dings, das umschreibt das aktuelle Arbeitsgeschehen eigentlich am besten).

Aber zurück zur Kunst. Ausmalen ist der neue Trend, für Erwachsene, es werden ja sogar die Stifte knapp. Stiftnotstand in Deutschland, im Land der Faber-Castells, der Textmarker, stellen Sie sich das mal vor! Ts. Und wieder zurück zur Kunst. Ausmalen hat eher weniger was mit Kunst zu tun, aber als ich das wunderbare Büchlein von der wunderbaren Frau Cucina Casalinga als Anti-Sofakoller-Mittel gesandt bekam, war ich doch entzückt: Mode! Künstlerische Entwürfe und Adaptionen populärer Vogue-Modelle! Und das mir, die ich doch mit dem Mann sehr gern flotte Screwball-Komödien der 50er und 60er Jahre sehe und Mad Men als echtes Highlight der Filmausstattung empfinde!

Es kam, wie es kommen musste: ich nahm meine Buntstifte zur Hand und fing an, die Modelle auszumalen. Weiterlesen

Alltagsmarginalien (3).

Ich war ein Hotelkind. Meine besten Urlaubsfreunde hießen Jean, der Concierge, und Dogge, die Dogge. Oder Massimo, der Koch, und Gianni, der Skiwachser. Meine Verbündeten im jeweiligen Urlaubshotel ertrugen meine phänomenale Neugierde ebenso freundlich wie meine vielfältigen Versuche, den mich umgebenden Dingen in der fremden Sprache nachzuspüren. Lästig bin ich hoffentlich nur selten gewesen, jedenfalls kann ich mich an keinen Vorfall erinnern, anlässlich dessen meine Eltern zu besserer Aufsicht ermahnt worden wären. Ich lief halt so mit.

Bisweilen erlauben der Mann und ich uns den Luxus, ein Wochenende in einem besseren Hotel zu übernachten, gern auch verbunden mit ausgezeichnetem Essen.* Wir sparen dann nicht, sondern genießen so wunderbare Features wie Fußbodenheizung im Bad, eine große Badewanne oder eine gut gefüllte Minibar.

Was mich aber immer wieder an mir selbst ein ganz klitzekleines bisschen beschämt: ich schaue auf den Etagenfluchtplänen immer noch nach, ob es doch noch größere Zimmer als unseres geben könnte.

Machen Sie das eigentlich auch?

 

*Eine Empfehlung ist auf jeden Fall das Hotel „Kleines Meer“ in Waren (Müritz), das neben einer ausgesprochen geräumigen Junior Suite auch eine hervorragende Küche vorzuweisen hat. Und Waren ist hübsch, es gibt ein, zwei gute Schuhgeschäfte und eine nette Landschaft vor der Tür. Fahren Sie mal hin, das tut dem Aufbau Ost immer noch gut.